Als der Bauunternehmer Fritz Eichbauer Anfang der Siebzigerjahre beschloss, in München ein Restaurant zu bauen, gab es in Deutschland nichts, woran er sich hätte orientieren können. Gourmetrestaurants im heutigen Sinn existierten nicht; wer große Küche wollte, fuhr nach Frankreich. Eichbauer und seine Frau Sigrid-Ursula taten genau das – sie reisten, aßen, schauten Architektur – und kamen mit einer Überzeugung zurück: So etwas muss es auch hier geben.
1971 eröffnete das Tantris an der Johann-Fichte-Straße in Schwabing. Der Schweizer Architekt Justus Dahinden schuf dafür einen Bau, der bis heute zu den radikalsten Restauranträumen Europas zählt: Sichtbeton, Orange, Tiefrot und Schwarz, ein Raum wie eine Bühne. Schon der Name war Programm – abgeleitet vom Sanskrit, frei übersetzt: „auf der Suche nach Vollkommenheit“.
Drei Köche, drei Ären
Den Anfang machte ein junger Österreicher: Eckart Witzigmann holte 1973 den ersten Michelin-Stern ins Haus, 1974 den zweiten – und legte das Fundament für das, was später „deutsches Küchenwunder“ genannt wurde. Auf ihn folgte Heinz Winkler, unter dem das Tantris als eines der ersten Häuser Deutschlands drei Sterne erkochte. [TODO: Jahreszahlen im Detail verifizieren]
Dann kamen die Haas-Jahrzehnte: 29 Jahre lang führte Hans Haas die Küche, mit einer Verlässlichkeit, die Generationen von Münchnern prägte. Wer im Tantris feierte, feierte bei Haas. Als er 2020 abtrat, endete eine Ära – und das Haus wagte den größten Umbau seiner Geschichte.
Das Maison Culinaire
Zum fünfzigjährigen Jubiläum wurde das Tantris behutsam renoviert und neu gedacht: als Tantris Maison Culinaire – ein Haus, drei Erlebnisse. Das Restaurant Tantris unter Executive Chef Benjamin Chmura erhielt auf Anhieb zwei Michelin-Sterne, das à-la-carte-Restaurant Tantris DNA einen, die Bar Tantris wurde als „tiefrot leuchtendes Herz“ des Hauses wiedergeboren.
Geführt wird das Haus heute von Felix Eichbauer, dem Sohn des Gründers – als Familienunternehmen, wie am ersten Tag. Und noch immer gilt der Satz, der hier seit 1971 über allem steht: Wahre Küche ist keine Kopfsache. Sie kommt aus dem Herzen.