Die Ikone von Schwabing
Architektur & Geschichte
Es gibt Restaurants, die in Gebäuden untergebracht sind – und es gibt das Tantris, wo Raum und Küche dasselbe erzählen: kompromisslose Vision seit 1971, entworfen von Justus Dahinden.

Fritz Eichbauer und seine Frau Sigrid-Ursula reisten in den frühen Siebzigern durch Europa – der Architektur und der großen Küche wegen. Was sie zurückbrachten, war eine Überzeugung: München braucht ein Restaurant, das beides ist – Gesamtkunstwerk und Gasthaus. Justus Dahinden, eigentlich berühmt für seine Sakralbauten, schuf dafür einen Raum, der bis heute zu den kühnsten Restaurantarchitekturen Europas zählt.
Orange leuchtende Decken, tiefrote Nischen, Sichtbeton und Licht wie im Theater: Das Tantris von 1971 war seiner Zeit so weit voraus, dass es nie altmodisch werden konnte. Die Renovierung zum fünfzigjährigen Jubiläum hat genau das verstanden – sie hat nichts „modernisiert“, sondern das Original freigelegt und weitergedacht.
Die Zeitreise
1971
Die Eröffnung
Bauunternehmer Fritz Eichbauer eröffnet das Tantris an der Johann-Fichte-Straße. Der Schweizer Architekt Justus Dahinden entwirft einen radikalen Bau: Sichtbeton, Orange, Tiefrot, Schwarz – ein Restaurant wie eine Bühne, bis heute eine Ikone der Nachkriegsarchitektur.
1973
Der erste Stern
Eckart Witzigmann, am Original-Grillposten des Hauses, erkocht den ersten Michelin-Stern – ein Jahr später den zweiten. Es ist der Beginn des „deutschen Küchenwunders“, das von Schwabing ausgeht.
1978
Die Winkler-Ära
Heinz Winkler übernimmt die Küche und führt das Tantris zu höchsten Auszeichnungen – als eines der ersten Häuser Deutschlands mit drei Sternen. [TODO: Jahreszahlen verifizieren]
1991
29 Jahre Hans Haas
Hans Haas beginnt seine fast drei Jahrzehnte währende Ära – und macht das Tantris zur verlässlichsten Adresse der deutschen Spitzengastronomie. 2002 frischt Stephan Braunfels die Räume behutsam auf.
2021
Das Maison Culinaire
Zum 50-Jährigen wird das Haus im Geist des Originals renoviert und neu gedacht: Restaurant Tantris, Tantris DNA und Bar Tantris unter einem Dach. Der Tagesweinkeller zieht dorthin, wo einst der Grillposten stand – mitten ins Restaurant, unter das „Auge“.
Heute
Zwei Sterne, ein Erbe
Unter Benjamin Chmura trägt das Restaurant Tantris zwei Michelin-Sterne, das DNA einen. Die Bar leuchtet tiefrot – ihr Licht zitiert Verner Pantons „Spiegel“-Kantine, entstanden in denselben Jahren wie das Haus selbst.
Weiterführend
Erleben Sie die Ikone selbst
Architektur lässt sich nicht erzählen – sie lässt sich reservieren. Sichern Sie sich Ihren Tisch unter der orangefarbenen Decke.
„Die ikonische Architektur, das Licht, die Küche – das Tantris ist ein Gesamtkunstwerk.“